MENADE
Ein fotografisches Triptychon, 1999

Original und Abbild:

a) Das griechische Original: Plastik des Skopas um ca. 340 v. Chr., vermutlich Marmor. Größe 150 -160 cm. Das griechische Original ist nicht mehr erhalten, wird aber in schriftlichen Quellen erwähnt. Ein Zeitgenosse des Bildhauers und Architekten Skopas formulierte, daß jener die Frau »von wilder Raserei erfaßt, dargestellt hat, mit schwellender Brust, sich kreuzenden Beinen, kräftig zurückgeworfenem Kopf, im Winde wehenden Haaren und verdrehten Augen.«

b) Die römische Kopie: Römische Kopie aus dem 1. Jh. n. Chr.,
Marmor, als Torso erhalten (Höhe 46 cm), schwer beschädigt, gefunden Ende des 19.Jh. bei Ausgrabungen in Marino am Albanersee. 1901 wurde die Plastik für die Antikensammlung des Albertinums in Dresden erworben.

c) Die Kopie der römischen Kopie: Abguß (1999) aus Gips mit unbehandelter weißer Oberfläche als Vorlage für die Fotografie. (Aus einer vor ca. 65 Jahren hergestellten Negativform.)

d) Die Fotografie des Abgusses: C-print (auf Alu-Dibond, 1999) in Zusammenarbeit mit Hans-Christian Schink. Vergrößerung der Figur auf die vermuteten Größe des griechischen, verschollenen Originals. Drei Teile je 120 x 60 cm, zusammen 120 x 200 cm.

Die Fotografie imaginiert das griechische Original und forscht damit nach der Aura und Schönheit dieser antiken Statue. Sie versucht einen Kreis zu schließen unter dem Aspekt des geänderten Kontextes bei einem Wechsel des Mediums. Die fotografische Arbeit gibt die Kopie einer Kopie wieder und ist damit eine (weitere) Form der Kopie und beansprucht dennoch durch ihre ästhetische Inszenierung autonome Authentizität und Eigentlichkeit.